Der Vater der schwedischen Königin Silvia, Walther Sommerlath, hat sich an der Plünderung der Juden in Deutschland beteiligt. Im April 1939 erwarb er eine Metallwaren- und Apparatefabrik in Berlin Kreuzberg. Der ehemalige Eigentümer, ein jüdischer Ingenieur, war danach gezwungen Deutschland umgehend und völlig mittellos zu verlassen.

Im Fernsehdokumentarfilm „Die Familie Bernadotte“ (Familjen Bernadotte), der am Anfang des diesjährigen Sommers ausgestrahlt wurde, hat die Königin bestätigt, dass ihr Vater tatsächlich Mitglied in der NSDAP war. Weiterhin sagte sie, dass er sich nicht politisch betätigt hätte, und dass es falsch sei, zu behaupten, dass seine Fabrik ein Teil der Rüstungsindustrie gewesen wäre. Das schwedische TV-Magazin „Kalla Fakta“/TV4, hat ohne Erfolg versucht, weitere Kommentare vom schwedischen Königshaus zu bekommen. Der Bruder der Königin, Ralph Sommerlath, hat gesagt, dass er einmal seinen Vater gefragt hätte, ob der ehemalige Eigentümer Jude gewesen wäre. Auf seine direkte Frage hin hätte Walther Sommerlath dies aber geleugnet.

Der im Jahr 1901 geborene Walther Sommerlath trat am 1. Dezember 1934 in die NSDAP ein. Er lebte damals in São Paulo und wurde Mitglied der dortigen Ortsgruppe der Auslandsorganisation. Weder Ausmaß noch Art seiner persönlichen Betätigung sind bekannt, aber die Aktivitäten der Ortsgruppe sind in den letzten Jahren von brasilianischen HistorikerInnen erforscht worden. Wie die brasilianische Historikerin Ana Maria Dietrich feststellt, traten meist nur extrem nationalistisch gesinnte Auslandsdeutsche in die Partei ein. Es hätte damals etliche andere Wege gegeben, seine Treue zur deutschen Heimat zu zeigen. Die NSDAP-AO-Gruppe in São Paulo ist nicht für Gewalttätigkeiten bekannt, aber zeigte zum Beispiel in ihrer eigenen Zeitung „Der Deutsche Morgen“, dass die Gruppe, wenn es um die Judenfeindlichkeit ging, nicht weniger extrem war als die deutsche Mutterpartei. Die Ortsgruppe, der 1937 mehr als 700 Mitglieder angehörten, war u.a. für die Feierlichkeiten am Tag der Arbeit auf dem Sportplatz Germania verantwortlich, die eng an die Reichparteitage in Nürnberg angelehnt waren. Wie andere Ortsgruppen versuchte auch sie, eine Gleichschaltung der dort ansässigen deutschen Vereine im nationalsozialistischen Sinne zu erwirken. Außerdem wurden Anstrengungen unternommen, den Unterricht in den deutschen Schulen zu beeinflussen. Walther Sommerlath arbeitete bei der brasilianischen Niederlassung des deutschen Stahlkonzerns Röchling-Buderus, der die Ortsgruppe und ihre Zeitung finanziell unterstützte. Er war auch Mitglied im Sportclub Germania und in der Deutschen Schule.

Im April 1938 kehrte Walther Sommerlath mit seiner Familie – der Brasilianerin Alice de Toledo und den Söhnen Ralph und Walther Junior nach Deutschland zurück und zog nach Völklingen im Saarland. Fast ein Jahr lang arbeitete er für Röchling-Buderus in Völklingen. Im April 1939 kam er nach Berlin und kaufte dort eine Fabrik in der Wassertorstraße 14 in Kreuzberg, die Wechsler & Hennig Metallwaren- und Apparatefabrik. Der Kauf wurde in der Filiale der Deutschen Bank in der Oranienstraße 140-142 verhandelt. Der Kaufpreis ist unbekannt die Deutsche Bank verweist auf das Bankgeheimnis. Es ist aber klar, dass der Firmeninhaber unter schweren Druck gesetzt wurde. Er hatte schon 1935 seine deutschen Bürgerrechte verloren und bekam im Dezember 1938 die polizeiliche Aufforderung, Deutschland unverzüglich zu verlassen. Bevor er fahren konnte, musste er die Reichsfluchtsteuer sowie die Judenvermögensabgabe, im nationalsozialistischen Sprachgebrauch auch Sühneleistung genannt, bezahlen. Kurz nach dem Verkauf der Fabrik, am 26 Mai 1939, verließ er Deutschland und fuhr an Bord des Dampfers Antonio Delfino nach Brasilien.

Es ist nicht bekannt, ob Walther Sommerlath seine Mitgliedschaft in der NSDAP für den Kauf ausgenutzt hat, aber in dieser Zeit – der Schlussphase der sogenannten Arisierung – hatten NSDAP-Mitglieder in diesen Zusammenhängen unbestreitbar große Vorteile. Die von ihm erworbene Firma war vor dem Krieg sehr erfolgreich, und hatte schon 1938, noch unter der Leitung des damaligen jüdischen Eigentümers, einen Heeresauftrag bekommen. Im Jahr 1943, als die Fabrik unter anderem Teile für Flakverbände herstellte, hatte sie 38 Angestellte.

Walther Sommerlath begab sich mit seiner Familie, nun auch mit den Kindern Hans-Jörg und Silvia, die 1942 bzw. 1943 geboren worden waren, im März 1947 erneut nach Brasilien. Er wurde nie entnazifiziert und hat keine Wiedergutmachungsleistungen an den früheren Eigentümer seiner Fabrik erbracht.

(språkgranskat av Paul Fuehrer och Katharina Strohkirch)